Unser erstes Wohnmobil

Das Warten hat ein Ende

Hätte mir vor einigen Jahren jemand gesagt, dass ich einmal einen Artikel zum Thema Wohnmobile schreibe, dann hätte ich dies zumindest nicht mit Begeisterung quittiert. Wahrscheinlich hätte ich erstmal herzlich gelacht und das Thema abgehakt.

Unsere früheren Urlaube haben sich zumeist in Hotelanlagen oder Ferienhäusern abgespielt, die Anreise fand dabei sowohl mit dem PKW als auch mit dem Flugzeug statt und an Campingurlaub habe ich nicht im Entferntesten gedacht.

Wohnmobil Roadtrip Dänemark Schweden

Der erste Womo Urlaub

Tja, und dann kam vor einigen Jahren dann zum ersten Mal die Idee in unserer Familie auf, doch einmal mit dem Wohnmobil in die Ferien zu starten. Um nicht komplett als Spielverderber dazustehen, habe ich also erstmal zähneknirschend zugestimmt. Für völlige Novizen stellt sich dann zunächst mal die Frage der Kosten und damit verbunden auch die Auswahl eines geeigneten Modells.

Ohne hier in die Niederungen der Preislisten der Vermieter einzutauchen, kann festgestellt werden, dass die Buchung in der Hauptsaison doch erhebliche Kosten verursacht. Aufgrund unserer Familienstruktur brauchten wir zumindest ein weiteres Bett.

Grundsätzlich bieten sich hierfür die Alkoven (fest verbaute Schlafmöglichkeit über dem Fahrerhaus) Modelle an, welche uns aber optisch so überhaupt nicht ansprechen. Darüber hinaus verbrauchen sie aufgrund ihres Aufbaus auch mehr Kraftstoff und sind aufgrund des höheren Schwerpunktes anspruchsvoller bei der Beherrschung. Also auch eher nichts für uns – oder zumindest nicht für mich 🙂

Unterwegs mit dem Wohnmobil

Entscheidet man sich aber für einen Integrierten, dann bekommt man eine extravagante Bauweise für’s Geld. Markant ist seine eigenständige Bugmaske mit riesiger Frontscheibe anstelle des Original-Fahrerhauses. Das eigenständig gestaltete Fahrerhaus geht nahtlos in den Wohnbereich über, welcher deshalb geräumiger wirkt. Auch dies sprach uns nicht sonderlich an – eher mich, denn ich finde die Art von Womo sieht aus wie ein Playmobil-Wohnmobil, irgendwie.. für mich jedenfalls einfach nicht schön 🙂

Die Wahl fiel somit auf einen Teilintegrierten, bei dem das Original-Fahrerhaus teilweise in den Wohnbereich eingebunden ist. Da so ziemlich jeder Verleiher solche Modelle anbietet und die Preise zumindest in der Hauptsaison ziemlich ähnlich sind, fiel die Entscheidung auf einen Anbieter in räumlicher Nähe unseres Wohnortes. Bei der Firma DRM buchten wir dann ein Euramobil auf Fiat Ducato Basis.

Nach einer kurzen Einweisung – von der recht wenig hängen blieb – traten wir die Fahrt zu unserem Wohnort an. Ohne auf den fantastischen Urlaub in Skandinavien weiter eingehen zu wollen kann ich doch sagen, dass wir ein tolles Auto und viel Spaß damit hatten. Das Queen Size Bett war nicht jedermanns Sache, brachte aber zumindest einen Erfahrungswert.

Der zweite Womo Urlaub…

Im zweiten Jahr wurde es dann aufgrund der guten Erfahrungen des Vorjahres erneut ein Euramobil von DRM. Diesmal allerdings mit quer eingebauten Betten, was die an der Wand liegende Person (mich!) natürlich erheblich einschränkte.

Ziel war erneut Skandinavien, diesmal ging die Reise sogar bis auf die Lofoten. Auch hier fiel das Fazit zum Fahrzeug wieder positiv aus. Weniger gut waren die Erfahrungen mit dem Vermieter, auf den wir aber nicht weiter eingehen wollen. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle einen Tip loswerden.

Die Versicherung zur Reduzierung des Selbstbehaltes, genannt CDW, muss auf jeden Fall mindestens einen Tag vor vertraglichem Mietbeginn abgeschlossen werden. Schließt ihr sie erst am Tag des vertraglichen Mietbeginns – zumeist dann beim Vermieter – ab, so ist sie im Grunde wertlos, da ihr im Ernstfall nicht nachweisen könnt, dass ihr nicht den Schaden verursacht und dann die Versicherung abgeschlossen habt. Der Vermieter/Vermittler der Versicherung sagt euch dann, dass im Falle eines Schadens das Übernahmedatum des Fahrzeugs nachträglich geändert wird, was aber faktisch nicht möglich ist. Den Schaden zahlt ihr somit voll und die Gebühr für die Versicherung ist auch weg. Aus unserer Erfahrung lohnt sich die Versicherung auf jeden Fall.

Bei drei Anmietungen hatten wir 3 Schäden. Gegen den Steinschlag in der 1.500 € teuren Frontscheibe könnt ihr nichts machen, auch wenn ihr noch so vorsichtig und umsichtig fahrt. Nicht zu vergessen ist, dass jeder Schaden für sich berechnet wird. Bedeutet: Bei drei Schäden an drei Ecken des Autos, zahlt ihr jedes Mal den Selbstbehalt von in der Regel 1.500 €.

Im Grunde müsste man dann schon überlegen, ob man das Auto nicht ganz auf die Seite legt um dann wieder bei einem – dann gesamten – Schaden landet. Dies soll aber keine Aufforderung dazu sein 🙂 !!!

Natur pur in Norwegen

Natur pur in Norwegen

Das dritte Jahr

Im dritten Jahr versuchten wir es dann mal bei einem anderen Anbieter.

Diesmal bekamen wir einen Knaus, der gerade von der Werksüberführung kam, also neu war. Neben der ohnehin üppigen Ausstattung hatte dieser auch einen Fernseher, der aber nur einmal zum Einsatz kam. Diesmal fuhren wir in die Normandie und über die Schweiz zurück.

Auch wieder ein tolles Erlebnis mit einem tollen Auto, wenn da nicht der Steinschlagschaden gewesen wäre. Diesmal lief aber mit der Versicherung alles gut und die finanzielle Einbuße hielt sich in Grenzen.

Unterwegs mit dem Wohnmobil

Camping mit dem VW Multivan

Im Jahr 4 nach der Entdeckung unseres Campergens kamen wir auf die abenteuerliche Idee, mit unserem VW T6 nach Schottland zu fahren. Neben der Schlafgelegenheit im Fahrzeug hatten wir noch ein Zelt für die Übernachtung angeschafft.

Nachdem die Fähre schon recht früh gebucht wurde (Frühbucherrabatt) fieberten wir dem Urlaub entgegen. Bereits etliche Wochen vor unserem Start hatte sich ein Regengebiet über Schottland festgesetzt, was nichts Gutes erwarten ließ. Als es wenige Tage vor unserer Abfahrt noch immer regnete, entschieden wir uns kurzfristig für eine Änderung des Reiseziels. Leider waren damit auch die Kosten für die Fähre verloren, was sich letztendlich aber als Segen herausstellte.

Wir fuhren Richtung Italien und mussten schon am ersten Tag feststellen, dass es in der Hauptsaison äußerst schwierig ist, einen Stellplatz für nur eine Nacht zu bekommen. Kurzerhand mussten die Camper im Hotel übernachten, was aber auch recht fein war.

Am Gardasee nahm der Wahnsinn dann seinen Lauf. Jede Ortschaft, durch die man fuhr, drohte am Verkehr zu ersticken, selbst an normalen Wochentagen. Endlich einen rappelvollen Platz gefunden, musste man sich zu einem Kompromiss durchringen, um dort auch wirklich die Nacht zu verbringen. An der Rezeption kam dann die Rückmeldung, dass der Platz inzwischen vergeben sein, first come, first serve….

Also weiter zum nächsten Platz und endlich für 60€ pro Nacht einen kleinen Stellplatz dicht an dicht gefunden. Die Nacht war höllisch laut und sowohl im Zelt als auch in Bus stand die Luft, was einen erholsamen Schlaf unmöglich machte. Morgens beim Frühstück am See reifte dann die Idee, schnell wieder zu verschwinden.

Um nun wieder auf den zuvor beschriebenen Segen zu kommen: Beim Regen in Schottland wäre allein der Zeltauf-/ und abbau schon im Chaos geendet, von daher konnten wir den Verlust der Fährgebühren inzwischen leichter verschmerzen. Der weitere Weg führte uns über den Lago d’Iseo zum Comer See. Per Internet war es ganz leicht eine preisgünstige Wohnung oberhalb des Sees zu finden und wir genossen jeden Tag. Letztendlich konnten wir auf einen traumhaften Urlaub zurückblicken, obwohl oder weil wir nur einen Tag gecampt hatten. Den ganzen Beitrag findet ihr hier.

Seen in Italien und in der Schweiz

Und dann endlich das eigene Womo!!!

Bei der Planung für den Sommerurlaub 2020 kam automatisch wieder der Wunsch nach einem Urlaub mit einem richtigen Wohnmobil auf.

In Anbetracht der gewonnenen Erfahrungswerte und der Überzeugung, dass Campingurlaub nicht nur eine Eintagsfliege für uns ist (allerdings NICHT mit dem VW Bus und Zelt!!!!), entschlossen wir uns, nach einem passenden Wohnmobil zum Kauf Ausschau zu halten. Neben der Internetrecherche führte der erste Weg zum Freistaat nach Sulzemoos.

Die Vielzahl der Modelle und die ausführliche Beratung grenzten den Kreis der Kandidaten schon erheblich ein. Die Frage war jetzt nur noch, ob es ein fabrikneues oder ein gebrauchtes Fahrzeug werden sollte. Grundsätzlich hat es natürlich einen gewissen Charme, den Erstbezug zu vollziehen, das hatten wir ja schon beim Knaus genossen.

Der Blick ins Internet brachte eine Menge gut ausgestatteter Fahrzeuge, die schon 1 bis 2 Jahre in der Vermietung unterwegs waren somit natürlich auch eine entsprechende Laufleistung und Abnutzungserscheinungen aufwiesen. Daneben waren auch einige Angebote aus privater Hand zu finden.

Sofort ins Auge fiel uns ein teilintegrierter Bürstner Ixeo time Edition 30 aus der Nähe von Rosenheim. Neben der ohnehin schon umfangreichen Ausstattung des Sondermodells, hatte der Besitzer noch zahlreiche Extras verbaut. Neben Gas und Kohlenmonoxid Gefahrenmeldern waren in der Garage und den Schränken LED Lampen verbaut. Dazu kamen noch zusätzliche Schlösser, bessere Fahrzeugscheinwerfer und kurbelbare Stützen am Fahrzeugboden.

Da das Fahrzeug noch keine zwei Jahre alt war, somit noch Garantie hatte, und erst knapp über 9.000 km Laufleistung aufwies, erschien es für eine Preis von knapp über 50.000 € fast zu gut um wahr zu sein. Glücklicherweise nahmen wir umgehend Kontakt zum Verkäufer auf und vereinbarten sofort einen Besichtigungstermin. Bei der Besichtigung lernten wir ein sehr nettes Ehepaar kennen, welches uns das Fahrzeug wirklich nahezu im Neuzustand vorstellte.

Es dauerte daher auch nur eine Minute, bis wir uns über den Preis einig waren. Bereits eine Woche später standen wir mit den Nummernschildern vor der Tür und konnten das Fahrzeug nach einer ausführlichen Einweisung in Empfang nehmen. ♥

Die Freude über das erste eigene Wohnmobil ist unvermindert und wird im Grunde nur von der Vorfreude auf den kommenden Sommer und dem geplanten mehrwöchigen Campingurlaub überstrahlt.

In der Zwischenzeit werden wir aber einige Wochenenden nutzen, um uns an das Fahrzeug zu gewöhnen und unsere wunderschöne Gegend im Voralpenland weiter zu erkunden, sofern dies in der momentanen Situation und den Beschränkungen aufgrund des Corona-Virus möglich sein wird. Sicherlich wird dies auch noch die ein oder andere Bewegungseinschränkung mit sich ziehen. Sollte es in diesem Sommer nichts mehr mit einer Reise werden, so doch hoffentlich im Herbst oder im nächsten Jahr. Und davon werden wir natürlich ausgiebig berichten.

Fazit

Nachdem wir uns nun – im März 2020 – in einer Situation befinden, die die Reisebranche komplett auf den Kopf gestellt hat, freuen wir uns umso mehr über unsere neue Unabhängigkeit mit dem Womo. Ich bete, dass wir die Corona-Krise schnellstmöglich überstehen werden und sich nicht nur die Reise- und Tourismusbranche, sondern alle durch das Virus betroffene Branchen erholen werden.